EMAS – mehr als nur eine Alternative zur ISO 50001

20 September 2021

EMAS, englisch für Eco-Management and Audit Scheme, ist eine Kurzbezeichnung für das „Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“, auf Basis der  Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 der Europäischen Union.

Dieses System fristet in Deutschland ein Schattendasein und das zu Unrecht.

Vor einigen Jahren wurden für Unternehmen in Deutschland finanzielle Anreize geschaffen bzw. an diese geknüpft, wenn diese Unternehmen im Bereich Energie- und Umweltschutz aktiv sind.
So müssen produzierende Organisationen unter bestimmten Voraussetzungen ein Energiemanagementsystem (kurz: EnMS) nach der international gültigen Norm ISO 50001 betreiben und zertifizieren lassen, wenn sie von steuerlichen Begünstigungen profitieren möchten.
Bestimmte Unternehmen, die durch hohe Stromkosten im internationalen Wettbewerb benachteiligt sind, können von einer reduzierten EEG-Umlage profitieren. Auch dies ist gekoppelt an einem zertifizierten EnMS.

Was jedoch häufig außer Acht gelassen wird, mit Blick in die jeweiligen Gesetzestexte, ist die Alternative – der Betrieb und die Registrierung eines EMAS-konformen Systems.

Die Zahlen in Deutschland bekräftigen diesen Sachverhalt:

Bis Ende 2020 wurden etwas mehr als 6.400 ISO-50001-Zertifikate für insgesamt rund 16.000 Standorte erstellt (Quelle: https://www.iso.org/the-iso-survey.html).

Zum Vergleich: Ende 2020 waren etwa 1.100 Organisationen mit etwa doppelt so vielen Standorten im EMAS-Register eingetragen (Quelle: https://www.emas.de/).

Woher rührt dieses Ungleichgewicht?

Ein EnMS ist vor allem bei Unternehmen mit hohen Energiekosten sehr gefragt. Die in einem EnMS geforderte Systematik zur Überwachung und Messung von insbesondere großen Energieverbrauchern führt unweigerlich zu Energieeffizienzsteigerungen. Doch diese Anforderung ist Fluch und Segen zugleich. In den letzten Jahren nahm der Fokus in diesem Bereich sehr stark zu und damit auch die notwendigen Investitionen in erforderliche Ressourcen (z. B. Messausrüstung, Softwaretools, Personal, Know-How). Der eine sieht die Transparenz in den energieverbrauchenden Systemen als Chance, der andere als unnötiger Ballast, für den keine Ressourcen bereitgestellt werden können.

Es kann sich lohnen, wenn nach Alternativen Ausschau gehalten wird. EMAS muss zwar nicht unbedingt weniger Aufwand bedeuten, kann es aber, v. a. bei kleineren Unternehmen, Standorten/Unternehmen in einem Unternehmensverbund, Organisationen im Dienstleistungsbereich oder bei Unternehmen, die ohnehin den Umweltschutz in den Vordergrund rücken. Ein Thema, das aktuell wieder die Tagesmedien bedient.

Unternehmen, die parallel die ISO 50001 und ISO 14001 (Umweltmanagementsystem) betreiben, könnten sich beispielsweise, sofern noch nicht geschehen, etwas stärker mit EMAS auseinandersetzen. Um an dieser Stelle auch nochmal Zahlen aufzugreifen: Bis Ende 2020 wurden in Deutschland beinahe 10.000 ISO-14001-Zertifikate für knapp 19.000 Standorte ausgestellt.

Die Anforderungen der ISO 14001 werden komplett durch EMAS abgedeckt, wobei letzteres System noch weiter geht und zusätzliche Schwerpunkte setzt. Gemeint ist ein Fokus auf die Einhaltung einschlägiger Umweltrechtsvorschriften, ein verstärkter Einbezug der Mitarbeiter in die Umweltbelange des Arbeitgebers sowie die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, letzteres in Form einer jährlichen Umwelterklärung. Teil dieser Erklärung sind u. a. auch Kennzahlen, die ebenfalls energetische Themen berücksichtigen. Die Vorteile der ISO 50001 in diesem Bereich, nach der beeinflussende Größen stärker mit dem Energieverbrauch verknüpft werden, lässt sich durchaus auch in ein EMAS-System integrieren.

EMAS kann gegenüber einem EnMS noch weitere Vorteile mit sich bringen:

Die Bundesregierung ist alle vier Jahre dazu verpflichtet dem Deutschen Bundestag über die Entwicklung im Bereich der Ressourceneffizienz zu berichten. Verantwortlich hierfür ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). In dieser Folge wurde im Februar 2012 das erste Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) veröffentlicht. Mitte Juni 2020 wurde die dritte Auskopplung dieses Programms (ProgRess III, https://www.bmu.de/download/deutsches-ressourceneffizienzprogramm-progress-iii) beschlossen. Enthalten sind Ziele, Leitideen und Handlungsgrundsätze zum Schutz natürlicher Ressourcen für den Zeitraum 2020 bis 2023. Im Vergleich zu den Vorgängerversionen wird v. a. der Beitrag zu Erreichung der Klimaschutzziele betont. Daraus geht u. a. hervor, dass Unternehmen mit EMAS Privilegien erhalten sollen. Das ist jedoch aktuell bereits der Fall sowohl auf Bundesebene als auch spezifisch in den einzelnen Bundesländern. Beispielhaft seien hier eine Reduzierung von Bearbeitungsgebühren (z. B. EU-Umweltzeichen) oder Erleichterungen bei rechtlichen Vorgaben (z. B. Immissionsschutz) genannt. Aber auch gewisse Fördermittel oder Verwaltungserleichterungen sind an das Vorhandensein von EMAS geknüpft.

Wenn die Zahlen doch aktuell stark für ein EnMS sprechen, so ist ein Trend zu erkennen. Die Zertifizierungen im Bereich der ISO 50001 sind seit einigen Jahren rückläufig, EMAS-Eintragung sind dagegen leicht angestiegen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage verändert, v. a. auch im Hinblick der bevorstehenden Bundestagswahlen.

Sowohl ISO 50001 als auch EMAS unterstützen Organisationen dabei, sich zukunftsorientiert aufzustellen, wenn auch mit teils sehr individuellen Schwerpunktthemen. Beide Systeme sind sehr gut dazu geeignet, ein Unternehmen auf dem Weg der Ressourceneffizienz bis hin zur Nachhaltigkeit zu begleiten. Letztendlich muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden, welchen Weg es geht und welche Hilfsinstrumente es dabei wählt.

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